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Helden der 90er - Peter Közle

Wer schoss im Europapokal der Landesmeister ein Tor in Belgrad, war mit Bochum im UEFA-Cup und eröffnete in Duisburg Hamborn eine Fankneipe?

Kinder der 90er wissen sofort Bescheid, es kann nur Peter Közle sein.

Ewalds wilde Horde bestand damals aus Spielern wie Ferry, Pino Steininger, Uwe Weidemann, Hoppi, Toto Wohlert, Alfred Nijhuis...- es war das who is who meiner Kindheit. Hätte ich ein Kind, es hätte all diese Vornamen bekommen. Heute sprechen wir mit Peter Közle, seine Zeit bei uns und warum er das Ruhrgebiet so mag.

Peter Du bist nun 51 Jahre, verheiratet und hast Nachwuchs. War das schon immer Dein Plan und was treibst Du heute?

Plan war es natürlich, 51 Jahre zu werden (lacht) Dass ich noch einmal heirate und wir Nachwuchs bekommen, hätte ich jetzt nicht gedacht, aber es ist so gekommen. 2012 haben wir den Lenni bekommen und 2015 die Lulu. Das passiert schonmal, wenn Du nicht verhütest. Meine Frau hat gesagt, sie hört jetzt mal auf damit und wir schauen mal was so passiert. Daraus sind dann die Kleinen entstanden, was auch gut so ist, ich bin glücklich das ich sie hab.

Ansonsten kümmere mich um meine Kinder und schicke die Frau arbeiten, so wie es sein muss. Jemand muss ja Geld verdienen. Ich mache die Kinder morgens fertig, schicke sie zur Schule und erziehe sie. Wenn ich Zeit habe und es passt, bin ich noch im Trainerpool der VFL Bochum Fußballschule. Diese hat Wochenendcamps oder Feriencamps in ganz Deutschland und wenn es klappt und ich Lust habe, mache ich das ganz gerne.

Wenn das Ruhrgebiet einen Auswärtigen zum Pottoriginal kührt, muss es gemenschelt haben, was macht den Schlag Mensch hier im Pott für Dich aus und warum hat das so gut mit Dir gepasst?

Es ist glaube ich ein Schlag von Menschen der zu mir passt. Es ist die Ehrlichkeit, die Geradlinigkeit, das Raue aber auch der Stolz auf die Heimat - ich bin ja auch ein stolzer Oberbayer! Die Einfachheit, keine Schicki-Micki Scheiße, die ich ja selbst nicht abkonnte, wenn ich auch 3 Jahre in Zürich gespielt habe, wo Schicki-Micki fast Zuhause ist, ähnlich München und Düsseldorf hier. Ich habe mich dort auch sehr wohl gefühlt, aber auch dort schon in normalen Gegenden gelebt. Von daher hat das in Duisburg für mich gepasst, weil ich mich hier auch ein bißchen wiedersehe. Ruhrgebiet und Peter Közle, das passt!

Alle Welt redet immer „vom Ruhrpott-“ Was hat Dir persönlich genau an Duisburg gefallen, was an Bochum?

Was mir persönlich an Duisburg gefallen hat war genau der Kontrast zu meiner eigentlichen Heimat. In Oberbayern dieses Gemütliche, dieses Ruhige, die Berge, die Seen und auch die 6 Jahre in der Schweiz. Bern ist da ja ähnlich und Zürich ja auch schick. Dann der gewaltige Kontrast nach Duisburg zu kommen. Ich habe mich ja dann im Norden niedergelassen. Dieses verruchte schmutzige, die Lautstärke. Ich hatte ja ein Stahlwerk neben meiner Wohnung, was mich brutal beeindruckt hat, aber mir hat das alles irgendwie gefallen. Dazu kamen die Menschen, die ich schnell kennengelernt habe, mit diesem einzigartigen Schlag und in der Mannschaft waren ja auch ein paar Pottler. Die haben mich einfach mit offenen Armen empfangen. Die Leute haben einfach gesehen wer da nun gekommen ist und wer ich als Mensch bin, abgesehen vom sportlichen Erfolg, der dann später kam.

Das Stadtzentrum hat mir anfangs ansich noch nicht so gut gefallen wie heute. Damals gab es den Innenhafen noch nicht, der ja mit den Restaurants ganz nett geworden ist, die Innenstadt war noch nicht so hergerichtet wie heute.

Und dann kam ich ja nach Bochum und ich war froh, weiter im Pott zu sein. Da war der sportliche Erfolg auch hilfreich, aber ich kam als Duisburger nach Bochum, ich musste erst einmal alle überzeugen. Als Stadt bietet Bochum natürlich auch nicht wenig, der Stadtpark mitten in der City, Starlight Express oder das Planetarium. Dann das Schauspielhaus und noch einige andere Dinge, aber vor allem nicht zu vergessen das Bermudadreieck mit seiner Kneipenszene, was mir persönlich jetzt wichtiger war. (lacht)

Du hast als Spieler nicht im schicken Süden gelebt oder wie heute am Innenhafen, sondern in Beeck direkt an der Brauerei von König gewohnt. Für mich ist das Duisburg pur und für Dich?

Beeck ist Duisburg pur und ich bin bewusst in den Norden gezogen. Mehr Duisburg geht nicht und mehr brauchst Du auch nicht. Ich werde mich immer an die Erlebnisse erinnern, wenn ich zum Beispiel morgens zum Training gegangen bin, gleichzeitig Schichtwechsel im Stahlwerk war und ich die Jungs alle gesehen habe. Alle auf den Weg nach Hause, dreckig von oben bis unten, aber einfach saufreundlich. Hemmungslos mit mir gequatscht, nach Autogrammen gefragt und ich mag sowas, wenn die Leute einfach auf einen zukommen und sagen was Sache ist. Ich bin mir sicher, dass ich Duisburg so kennengelernt habe, wie man Duisburg kennenlernen muss, um es zu mögen.

Der Druck im Fußball war auch früher schon hoch, wie stehst Du mittlerweile zu Katzen?

Ach Du Scheiße, die Frage fängt gut an und hört beschissen auf (lacht). Als es im Folgejahr nicht mehr so gut bei mir und der Mannschaft lief, kam die Geschichte auf, dass mir irgendjemand eine Katze an die Tür genagelt hätte. Ich weiß gar nicht wie man auf so eine perverse Geschichte kommt. Dabei sind Katzen doch was schönes, sie haben einen eigenen Kopf, brauchen manchmal eine Streicheleinheit, müssen gekrault werden und ziehen dann aber auch irgendwann wieder alleine los und jagen Mäuse. Also optimal so ein Viech, aber diese Geschichte stimmt tatsächlich nicht.

Der Druck ist heute natürlich im Fußball genauso hoch, wie er früher war. Ich meine die 90 Minuten erfolgreich zu sein, die Spiele gewinnen zu müssen, gegen den Abstieg zu spielen, um die Meisterschaft oder den UEFA-Cup erreichen zu müssen- das war damals nicht geringer, das stimmt.

Was heute anders ist, ist der Druck, der dann dann auf die Jungs einprasselt, wenn das Spiel vorbei ist. Die ganzen Plattformen im Social Media Bereich, die Presse drumherum, jeder hat ein Handy mit Kamera. Du bist ständig im Fokus, dass ist natürlich schon irgendwo heftiger geworden, wir konnten da schon außerhalb des Stadions ruhiger leben.

Es gab für Dich in Duisburg auch eine schwere Zeit, was war wirklich passiert?

Wir haben scheiße gespielt und auch ich habe scheiße zusammengespielt. Ich habe jedoch meinen Alltag nicht geändert und war im Grunde der, der ich immer war. Egal ob Erfolg oder nicht, ob Fußballer oder Star, mir war das immer egal. Wenn ich zur Tür raus bin und Menschen getroffen habe, dann war mir das egal wer das war und wer ich gerade bin - es war immer eine Begegnung auf Augenhöhe. Ich war nie etwas Besseres, weil ich ein guter Fußballer war, dafür kann ich auch nichts, das waren die Gene meines Vaters, der mir sehr gute Sachen beigebracht hat und mich zu dem gemacht hat, was ich heute bin.

Was war passiert? Ich bin nach den Spielen genauso rausgegangen wie immer, habe mich in der Öffentlichkeit gezeigt, auch nach den Niederlagen. Andere Spieler sind dann lieber Zuhause geblieben, aber ich wollte einfach ich bleiben und dazu gehörte für mich, dass man nach einem Bundesliga-Spiel mit seinen Kumpels rausgeht. Ich habe es vielleicht ein bißchen übertrieben, habe mit dieser Konfrontation und diesem Hass nicht gerechnet, das muss ich ehrlich zugeben- ich hätte es dann vielleicht nicht gemacht. Ich denke im Nachhinein, dass ich die Leute damit provoziert habe, dass die vor meiner Tür standen, mich beschimpften, verprügeln wollten und ich in den letzten Wochen von Freunden bis zur Haustür gebracht wurde. Ich wurde in Pubs und Clubs massivst bedrängt, sodass ich die Location besser verließ. Das war wirklich geschehen, aber natürlich gab es auch einige Leute, die gesagt haben, dass ich den Kopf nicht hängen lassen solle und es auch wieder bergauf geht. Für mich war es zu dieser Zeit dann aber so schwer in Duisburg zu leben, dass ich nach München gegangen bin. Gott sei Dank musste ich das Ruhrgebiet nicht lange verlassen, da mir der VfL das Angebot gemacht hatte.

Die damalige Mannschaft war voller Charakterköpfe, wer hatte denn die Dauerkarte in Einzelgesprächen bei Ewald Lienen?

Ohhhh, na das war natürlich ich. Also ich war ein paar mal bei Herrn Lienen in der Kabine und wir haben auch einige Gespräche geführt. Ich war auch einer der wenigen Spieler, die er - vielleicht in seiner Verzweiflung - zu sich nach Hause einlud, um zu erklären, wie ein Fußball-Profi dann vielleicht funktionieren sollte – ja, gebracht hat es nicht so viel... Die Dauerkarte hatte wohl dann ich, aber ganz so schlimm war es natürlich nicht. (lacht)

Mit wem bist Du damals am liebsten um die Häuser gezogen und welche Geschichte lässt Dich heute noch schmunzeln?

Also das ist ganz klar Joachim Hopp! Das war mein bester Kumpel damals und es ist immer noch toll, wenn wir uns wiedersehen und wir versuchen auch, uns mindestens einmal im Jahr zu treffen. Es ist einfach ein geiler Typ, Ruhrpott pur- Joachim Hopp, einfach ein Duisburger Jung und das ist halt meins, weil ich Menschen total mag, wie Hoppi es ist, der im Grunde genommen alles vereint, was ich so am Ruhrpott liebe.

Natürlich haben wir sauviele Geschichten erlebt, die wirklich witzig waren, aber ohne Hoppi vorher zu fragen, kann ich die einfach nicht erzählen, das fänd er dann wohl nicht so lustig. Wir haben schon ein paar lustige Abende erlebt.

Ohne Hoppi habe ich aber auch mal etwas selten dämliches gemacht. Es war Ende Januar, Anfang Februar und ich hatte eine wirklich hartnäckige Achillissehnenverletzung die auch täglich behandelt wurde. Meine Jungs fuhren damals gerne nach Sölden zum Skifahren, wo ich ja auch nie mitkonnte, da wir entweder in der Vorbereitung waren, oder die Bundesliga lief. Ach man, ich dachte das dauert auch alles schon viel zu lang, komm ich mache dem MSV mal den Vorschlag und lasse mich von einem Arzt in der Schweiz untersuchen. Der MSV willigte ein und sagte, „ok, schau mal ob die was finden, was wir nicht finden konnten“. Ja, ich ab nach Sölden, der Arzt in der Schweiz hat mich nie gesehen und ich hatte 3 Tage mit meinen Jungs. Wer konnte denn ahnen, dass mich MSV Fans in Österreich wiedererkannt haben. Ich komme heim, erzähle, dass der Arzt auch nichts anderes gefunden hat und alles war gut..., bis dann die ersten Mitspieler ankamen und meinten, sie hätten ja so eine abstruse Geschichte gehört, dass man mich in Sölden/Österreich gesehen hätte, was ja überhaupt nicht sein kann und das ja auch keiner machen würde. Man einigte sich, dass sowas ja an den Haaren herbeigezogen sein muss..., die anderen Geschichten lasse ich lieber mal im Keller (lacht).

Hast Du das Gefühl, mal eine Chance verpasst zu haben und welche war es?

Vor dem Tor habe ich einige Chancen verballert und an erster Stelle kommt mir der Elfer gegen Oliver Kahn in den Sinn, danach haben wir 3:0 verloren und es stand in dem Moment noch 0:0, aber ich weiß worauf Du hinaus willst. Grundsätzlich ist es immer so, dass man reflektiert, was so im Leben passiert ist. Wo hat man gute oder weniger gute Entscheidungen getroffen, aber im Grunde genommen bin ich sauzufrieden mit meinem Leben und glücklich mit dem, was ich alles erreicht habe.

Ich hätte im Fußball vielleicht mehr erreichen können, wenn ich den Ehrgeiz, den ich in der Schweiz hatte, hochgehalten hätte, trotz aller Verletzungen immer wieder aufzustehen. Ich hatte ja eine erfolgreiche Zeit, auch in Deutschland, habe mich aber dann nicht zu 100% auf meinen Beruf konzentriert und Dinge getan, die vielleicht nicht unbedingt förderlich waren. Vielleicht hätte es für Dortmund oder Bayern gereicht, wenn ich mich professioneller verhalten hätte, aber im Grunde gab es nie die eine Chance die ich vermasselt habe. Ehrlich gesagt ist aber alles gut, wie es jetzt ist.

Du hast international gespielt, wurdest in die Sportschau eingeladen und hast Dir ein Stückweit das Leben eines Stars erarbeitet, was würdest Du dem heutigen Nachwuchs als Tipp mitgeben?

Ganz schwierig. Dem heutigen Nachwuchs Tipps mitzugeben ist vielleicht gar nicht mehr notwendig. Die Jungs und Mädels sind durch die Leistungszentren mit 12- 13 Jahren so dermaßen auf einem Topniveau durchgeschult, dass man denen gar keine Tipps mehr geben muss.

Was ich aber für wichtig empfinde ist, dass die Kids die Liebe um Fußball nicht vergessen dürfen, dass es - egal in welcher Liga - Spaß machen soll auf den Platz zu gehen. Dort 90 Minuten Fußball spielen zu dürfen ist einfach etwas wunderbares, was auch mir heute noch Spaß macht. Es ist ein Privileg.

Natürlich ist es wichtig, dass man sich mit Leuten umgiebt, die es ehrlich mit einem meinen und nicht nur die große Kohle sieht. Es gibt ja genügend Beispiele was passieren kann, wenn man nur das Geld sieht und das einige Karrieren auch dadurch kaputtgegangen sind. Die Liebe und Leidenschaft zum Fußball darf man nie verlieren, sucht euch die Berater gut aus und versucht die Familie mit einzubinden, normalerweise sind das Leute, die es mit einem ehrlich meinen. Es ist schon nicht verkehrt, mal auf Mama und Papa zu hören, sie sind es, die einen meist immer unterstützt haben.

Schnelle Frage, schnelle Antwort!

Welche ist die beste Pommesbude Bochums?

Noch habe ich nicht alle durch, aber wenn wir im Bermuda unterwegs waren, dann ging es zum Engelbertbrunnen

Eierberg oder anne Monning?

Eierberg natürlich, ist übersichtlicher. (lacht)

Fiege oder König Pilsener?

Beides gut, sauf ich beides immer noch. Davon stehen 2 Kisten im Keller, beide herb und süffig.

Mit den Jungs um die Häuser oder Familie?

Mittlerweile mehr mit der Familie, aber ich lass es mir auch nicht nehmen, mal ab und an mit den Jungs rauszugehen. Sieht aber auch nicht mehr so aus wie früher, keine wilden Partys mehr. Familie kommt aber schon klar an erster Stelle.

Autor: Marcel Eichholz
Datum: 23.11.2019
gelesen: 187 mal

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